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Leinenführung ins Cockpit verlegt

Meine Serie:  „Refit-Telegramme 2018“

Teil 37: Leinenführung ins Cockpit verlegt

Beim Kauf der Fynn im Jahr 2014 war mir sofort klar, dass ich die Leinenführung in`s Cockpit verlegen werde. Damals wusste ich noch nicht, dass es das zeitaufwendigste Projekt an der Fynn werden würde.  Bevor ich jedoch meinen Plan in die Tat umsetzte, wollte ich mal 1, 2 Saisons segeln, um für mich und das Boot die optimale Lösung zu finden. Ad hoc Aktionen könnten einem später Leid tun.

Bei Aufenthalten in Marinas bin ich über die Stege gelaufen und habe mir diverse Möglichkeiten angesehen. Von der ein oder anderen Lösungsvariante, bzw. Teile davon,  habe ich mich dann inspirieren lassen. Neben „kruseligen“ Ausführungen waren auch elegante und harmonische, ins Decklayout integrierte, Installationen dabei. Aber diese Leinenführungen waren bereits bei der Herstellung der Yachten werftseitig durchgeführt worden. Später durchgeführte Installationen, die ich mir ansah, sagten mir  nicht zu.

Z.B. Die Lösung, mit den Leinen durch die Sprayhood zu gehen, gefällt mir überhaupt nicht. Sieht in meinen Augen so improvisiert aus.

So nach und nach hatte ich eine Komplettlösung vor Augen:
Eine Leinenführung wie bei den „Großen“ sollte es werden.
Und aussehen, wie von der Werft gemacht. Das war zumindest mein Anspruch.

Man muss das Unmögliche versuchen,
um das Mögliche zu erreichen.
(Hermann Hesse)

In der Detailplanung versuchte ich, meine Vorstellung den Gegebenheiten an Deck anzupassen. Ich musste lernen, auch bei diesem Projekt Kompromisse einzugehen.

Es wurde überlegt, gegrübelt, geändert und gehadert.

Wie?   Wieweit?   Wie viel?   Wo?   Wohin?
Woher?   Was?   Welches?  Wieso?  

Fragen über Fragen.
Das Material ist teuer; nur nichts Falsches bestellen.
Planen, durchspielen, entscheiden.

Winterlager 2016/2017

Genug geplant – jetzt mussten Taten folgen.

Nach dem Kranen in Holland brachte ich das Boot  nach Hause. Bevor ich es in die Halle fuhr, habe ich  den Mast für ein paar Tage gestellt, um Markierungen für die Montage in aller Ruhe anzubringen. Mit doppelseitigem Klebeband wurden Umlenkblöcke, Fallenstopper, Winschen etc. angebracht. Die Leinenführung immer wieder korrigiert und durchgespielt.

Erkenntnis bestätigt:
An einem Boot gibt es keine rechten Winkel!!!
Maß nehmen, exakte Abstände zu Fixpunkten messen, um sie zu vergleichen bzw. zu übertragen, von der StB- auf die BB-Seite, sind kaum möglich.

Permanente Positionsoptimierungs-Versuche der Blöcke und Stopper, mit unzufriedenen Ergebnissen, ließen Zweifel aufkommen.
So besser oder so besser – mein Gott, bin ich hier beim Augenarzt?
Soll ich das Ganze abblasen? Ist dies evtl. doch eine Nummer zu groß für mich? Da war ein Moment gekommen, wo ich das Projekt in Frage stellte.

Mach mal Feierabend, sagte ich mir: „tomorrow is another day“

Einen Tag pausieren, abschalten, gänzlich was anderes tun,
das tat richtig gut.

Dann hieß es, Mast legen, Boot in Halle und Start frei.

Unmittelbar am Mastfuß befindet sich ein schwerer U-Bügel aus Edelstahl. Dieser gehört zur Mastlegevorrichtung. An diesem Bügel wurden seitlich Edelstahlplatten geschweißt, die als Grundplatten für den „Mast base Organizer“ von Barton dient.
An dieser Basis können 4 Blöcke sauber befestigt werden.

vorher
nachher

An StB-Deck, neben dem Mastfuß, fing ich an, die Löcher für den 3er Umlenkblock zu bohren.

Dann folgte der Durchbruch am Wellenbrecher an StB.
Wow! Das war was. Extra einen langen Bohrer bestellt. Bohrer an der Markierung angesetzt und los. Kommt der Bohrer auch dort raus, wo er soll. Und wieder der Gedanke während des Bohrens: Eine Nummer zu groß….? Jetzt eh egal! Zu spät! Mach das Beste draus.

Der Bohrer traf das Ziel. Die Motivation war zurück. Yae!
Es war wirklich nicht einfach. Glück gehabt! Muss ja auch mal sein. Und nun mit der Lochsäge ein Loch in die Schräge vom Wellenbrecher bohren. Ich mach`s kurz: Yae!

Jetzt folgte die BB-Seite mit dem Durchbruch am Wellenbrecher, denn der musste auf jeden Fall gemacht werden.

In die Durchbrüche am Wellenbrecher habe ich Edelstahlrohre eingeklebt und mit Sika abgedichtet. Auf die Öffnungen wurden Rosetten mit Sika geklebt. Diese wurden aus Edelstahl-Ronden passgenau hergestellt.

Langrohr zum Abmessen im Durchbruch
Rohr auf Gehrung geschnitten
Rohr eingeklebt und zum Abdichten abgeklebt

Die Montage des 3er-Umlenkblocks an BB, in der Nähe des Mastfußes, habe ich dann zurückgestellt. Ich möchte wieder eine Saison ausprobieren, ob an StB alles flutscht.

Es folgte an BB und StB, direkt am Niedergang, die Montage der 3er Fallenstopper und der Winschen. Es ist wenig Platz vorhanden, aber es sollte machbar sein. Auch diese Montage hat sehr gut funktioniert. Das Loch, welches der Voreigner für eine DVBT-Antenne gebohrt hatte, wird jetzt durch die Winsch abgedeckt. Natürlich wurde es vorher mit Epoxy verschlossen.

Ronden aufgeklebt. Vor dem Verrutschen gesichert.

Leinenführung ausgelotet
Winkel wurde noch abgeflacht.
Gegenplatten im Salon.


Winterlager 2017/2018

Geplant war jetzt, nach der erfolgreichen Testphase, die Vollendung der BB-Seite. Wie gesagt, geplant.

Zu Weihnachten bekam ich ein Buch geschenkt:
„EINHANDSEGELN“ von Stephan Boden

Stephan beschreibt die Vorteile von sogenannten Thimbles (Führungsringe). Nun machte dieses Buch, insbesondere dieses Kapitel, mich so neugierig, dass ich die Thimbles ausprobieren wollte.

Was brauche ich hierzu?
Eigentlich nur die Thimbles und Softschäkel. Den 3er Umlenkblock habe ich schon, er muss nur noch montiert werden.
Was erspare ich mir? Die teuren Blöcke am Mastfuß und die Basis für die Blöcke. Die Softschäkel mache ich mir selber.

In der Saison 2018 habe ich die BB-Seite mit den Loops getestet: genial

Testphase

Kein Geklapper, keine Quersteller, null Probleme! Ob ich an StB auf Thimbles umrüsten werde, entscheide ich während der Saison 2019.

Zur Klarstellung:
Die meiste Zeit wurde mit Recherchieren, Planen, Materialbestimmung,  Machbarkeitsüberprüfungen und Detailversuchen aufgebracht.

Die Ausführung der Arbeiten war zwar auch aufwendig, aber zeitlich doch überschaubar. Ohne professionelle Facharbeiter-Hilfe wäre dieses Projekt für mich nicht möglich gewesen (Sägemaschine, WIG-Schweißgerät, Drehbank).

Ein Dankeschön an meine Metaller-Freunde:

Hermann-Josef K.     für die Gehrungsschnitte der Edelstahlrohre
Holger B.                         für die Schweißarbeiten der Grundplatten
Holger G.                        für die Zerspanarbeiten der Ronden
Jürgen Z.                        für die kompetenten handwerklichen Tipps

Danke auch an Micha, der zur Zeit auf seiner X-Trip in Island überwintert. Auf seinem YouTube-Kanal hat er einen sehr anschaulichen Beitrag zur Herstellung von Softschäkeln eingestellt. Inzwischen habe ich schon etliche Tauwerksschäkel gemacht.
Wen es interessiert wie`s funktioniert:

https://www.youtube.com/watch?v=xWGLXcQnpVc

Demnächst: Teil 38: Neue Schotwinschen

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Bis bald. Bleibt mir gewogen.

Skipper Aloys